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Beam me up Steve … Wie sich Apple selbst deklassiert

Ich gestehe: Ich bin ein Fan Boy – ich habe noch einen der rosa iMacs, habe sklavisch meine ganzen Daten einem Konzern verschrieben und nutze deren Produkte, die ein Lifestyleversprechen geben. Das ist dann auch noch ein bisschen kulturell aufgeladen, weil Apple Nutzer nicht nur cool, sondern auch eher intellektuell und was weiß ich alles sind. Ich mag die Betriebssysteme, ich mag die Verständlichkeit und wenn ich auf das Arbeitsgerät schaue, das ich nutze, blättert diese schöne Lifestyle Kulisse – ein Mac Book Pro von 2015. Und das nicht, weil ich mir kein neues leisten könnte. Dieses Mac Book Pro 2015 ist sogar schon das zweite in meinem Besitz – eines ist mir gestohlen worden. Zu diesem Zeitpunkt gab es schon zwei Upgrades – ich wollte aber genau dieses – es ist – so sagt auch mein Schrauber des Vertrauens – das letzte wirklich Gute. Und so trage ich es brav zur Reparatur und freue mich, dass es noch mit aktuellen Betriebssystemen kompatibel ist.

Ausschnitt aus dem Mixdown Newsletter

Aber eigentlich soll es hier nicht um Computer gehen, sondern um Podcasts. Im besonderen um Apple Podcasts – die App, die Podcasts abspielt auf Apple Geräten. Bis vor 2 Jahren war es klar – das Referenzmedium für Podcasts ist eben Apple Podcasts – spätestestens seit dem letzten Jahr ist das Spotify – und nicht weil Spotify einen so guten Job macht, nein, weil Apple einfach alles falsch macht.

Irgendwann hat sich Apple entschieden, die Podcasts nicht mehr im iTunes Portal zu veröffentlichen, sondern eine eigene App dafür gelauncht – Apple Podcasts. Problem war nur, man hat einfach die alte iTunes App genommen und sie lila angemalt. Funktionalitäten in dieser App waren die einer Musik App, machten im Zusammenhang mit der Nutzung von Podcasts keinen Sinn. Ich sage nur – Reihenfolge …

Im Anfang habe ich Nutzer nicht verstanden, die ein iPhone besaßen und trotzdem Podcasts über Spotify hörten. Nun, wie gesagt – richtig gut ist das Usererlebnis da auch nicht, aber wenigstens nicht ganz so besch****. Aber als Fanboy ist man treu.

Okay, dann habe ich angefangen, selber Podcasts zu veröffentlichen und bald festgestellt – überall ist das Veröffentlichen von Podcasts über einen entsprechenden RSS Feed nicht wirklich schwer – außer, nun, eben bei Apple. Bis zu 14 Tagen musste man bis zur Bewilligung warten. Handelt man/ frau im Kundenauftrag, braucht es machmal schon einen großen Organisationsaufwand – wegen Apple. Nur deswegen.

Screenshot meines Apple Podcaster Dashboards

Und jetzt hat sich Apple überlegt, Mist, Spotify hat uns den Rang abgelaufen – wir müssen reagieren. Und haben sich was ganz tolles überlegt: Apple Subscription. Gerade komme ich aus der Präsentation, zu der ich als Podcaster eingeladen wurde und denke – WTF. Zuerst einmal ist seit Anfang der Woche das Backend für Podcaster bei Apple, das sogenannte Podcast Connect nicht mehr erreichbar. Zwischendrin war es das mal wieder, aber jetzt nicht mehr. Bisserl peinlich, wenn man gerade die Präse hält und von den großen, weltbewegenden Dingen erzählt, wenn man es offensichtlich noch nicht mal auf die Reihe bekommt, einen Launch anständig durchzuziehen. Auch peinlich, dass einfach Shows in der App verschwunden sind. Auch peinlich, dass der Support nicht wirklich erreichbar ist – Dinge sukzessive zurück kommen – alles ohne Erklärung. Muss man ja auch nicht, man ist ja Apple … Auf Twitter und sonst wo ist die Häme groß. Bei Publishern ist teilweise die Panik groß – oft hängen an Download Zahlen Marketing Verträge. Aber das kümmert Apple nicht … man feiert sich lieber im Mega Event.

Einer der vielen Publisher, die Probleme haben …

In der aktuellen Zeit gibt es passend dazu einen lesenswerten Artikel zum verblassenden Stern von Apple – gerade zu schon prophetisch, ohne von den massiven Schwierigkeiten, die sich Apple selbst eingebrockt hat, überhaupt wissen zu können. Mittlerweile rufen alle Publisher die UserInnen auf, eben andere Plattformen aufzusuchen, weil die aktuelle Folge nicht bei Apple erscheint. Und während das alles passiert, stellt Apple sein neues Subscription Modell vor – gewohnt großspurig. Dahinter verbirgt sich eine eigentlich nicht praktikable Möglichkeit für Publisher, in Zukunft Inhalte teilweise oder gesamt nur noch über ein Abosystem anzubieten. Dreisterweise hält der Konzern dabei gleich zweimal die Hände auf – bei Prozenten des Abonnements, das UserInnen abschließen müssen, um diese Inhalte überhaupt hören zu können und bei den Publishern, die, um diesen Service nutzen zu können, monatlich 19,- € bezahlen müssen. Ich rede jetzt nicht davon, dass gerade diese Publisher erst überhaupt diesen Service möglich machen …

Aber – und das ist das Killerargument – warum soll ich aufwendig produzierten Inhalte in einem geschlossenen Ökosystem anbieten hinter einer Bezahlschranke, bei der ich nicht nur die ¾ der Android UserInnen ausschließe, sondern auch diejenigen, die einfach sagen, warum soll ich denn bezahlen für etwas, was ich woanders … Aber davon können andere unerfolgreiche Dienste auch ein Lied singen. Ich weiß nur, Steve rotiert in seinem Grabe gerade so sehr, dass ein Tunnel gebohrt wird. So viel Dilettantismus war lange nicht mehr …

 

2 Gedanken zu „Beam me up Steve … Wie sich Apple selbst deklassiert“

  1. Moin.
    meine Tochter und ihr Mann nutten seit Jahren Apple Produkte in allen Bereichen. Trotzdem nutzen beide für Musik und Podcasts Spotify, weil es einfach besser ist und ich als alter Android Nutzer auch daran teilhaben kann.
    Gruß Andreas

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